Die Steirische Eiche ging selbstsicher und cool in den Kochwettbewerb JUNGE WILDE: Walter Triebl errang den begehrtesten Titel der Branche und punktete durch Bescheidenheit und Kreativität am Herd.

Spannende Szenen spielen sich kurz nach 18 Uhr in der engen Küche des Süllberger Gourmetrestaurants Seven Seas ab. Rauchende Pfannen, hochrote Gesichter und Nerven zum Zerreißen gespannt. Wenig Platz, und dazu noch Fotografen, ein TV-Team und Helfer in der Küche. Kreativität zu entfalten, scheint hier auf den ersten Blick schwierig. Aber Walter Triebl ist fokussiert und richtet souverän seine Vorspeise an, die bei der diesjährigen Starjury auf der Bühne für anerkennende Ahs und Ohs sorgt. Nervosität sucht man bei dem JUNGEN WILDEN 2014 vergebens, denn er weiß ganz genau, was er will. Gewinnen. Genauigkeit steht bei ihm in der Küche, neben Kreativität an vorderster Stelle, wie er selbst betont. Und dennoch: Bei genauem Hinsehen zittern Walters Hände beim Anrichten der Teller.

Verständlich, schließlich geht es hier um etwas, nämlich um den Titel JUNGER WILDER 2014 und um ein Praktikum in Spanien bei der Nummer eins der S.Pellegrino-Liste Joan Roca. Keine Sorge, geht natürlich alles glatt, denn der frisch gekrönte JUNGE WILDE 2014 erntet für seine Vorspeise „Born to be Wild“ 316 Punkte. Die höchste Punktzahl seines Menüs. „Walters Vorspeise war sehr stimmig und handwerklich wunderbar umgesetzt, deshalb erhielt sein Gericht die höchste Punktzahl seines Menüs“, bestätigt Bernd Arold vom Gesellschaftsraum. Seine beiden Mitstreiter, der 26-jährige Matthias Bernwieser vom Ylajali, Oslo (NOR), und der 21-jährige Dennis Joza von der Speisemeisterei, Stuttgart (DE), und er geben alles beim zehnten Finale des wohl trendigsten U30-Kochwettbewerbs Europas, der von ROLLING PIN initiiert wurde und jedes Jahr aufs Neue Rekorde bricht. So wurden heuer 2271 Anmeldungen geschickt. Über 1000 Rezepte waren dabei, „manche davon waren sehr kreativ und durchaus beeindruckend“, sagt ROLLING PIN-Herausgeber Jürgen Pichler.

Es ist heiß und eng in der Küche und der 25-jährige Walter steht in der hinteren Kochnische. Links von ihm der heiße Ofen, rechts von ihm ein TV-Team, das ihn mit Fragen überschüttet und mit dem Scheinwerfer die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Das scheint ihn aber nicht zu stören, denn ruhig und gelassen meistert er auch diese Aufgabe. Schwer zu sagen, was nebenher läuft, das Kochen oder das Interview. Das Multitasking-Talent ist nur wenige Meter von den knapp 2000 Gästen von Karlheinz Hausers Gastro Premium Night entfernt und bahnt sich beim Servieren seiner Speisen jedes Mal den Weg durch die Menge. Schnellen Schrittes geht Walter dem Servicepersonal hinterher, das seine kulinarischen Schätze trägt. Durch die große Halle und unter Beobachtung Hunderter neugieriger Augenpaare geht es vor die Bühne, wo er der Jury mit fester Stimme sein nächstes Gericht präsentiert. Seine Präsenz vor der Jury dauert nicht lange, denn wenige Sekunden später verschluckt ihn die Menge wieder und er ist zurück an seinem Arbeitsplatz. Hoch konzentriert und eifrig bei der Sache. Schließlich müssen noch zwei Gerichte raus.

Bei seiner Hauptspeise „Clockwork Orange“ verpaart der strebsame Jungkoch King Prawns und Wagyu-Flanksteak und punktet auch hier mit Kreativität und vor allem Genauigkeit. Kein Wunder, denn mit dem perfekten Rüstzeug landete der sympathische Steirer-Bursch nach vier Jahren im Gasthof Wagner in Halbenrain, ein paar Monaten beim Steira Wirt in Trautmannsdorf und dem Life Medicine Resort in Bad Gleichenberg und einer dreimonatigen Küchenmeisterprüfung im aiola upstairs in Graz, wo er seit September 2012 Sous Chef ist. „Es macht mir Freude, im aiola upstairs zu kochen. Vor allem genieße ich die Herausforderungen, die mir der Job jeden Tag bietet. Außerdem ist das Team einsame Spitze“, sagt Walter über seinen Arbeitsplatz.