SCHNELL, PRÄZISE UND LEIDENSCHAFTLICH. DER VORARLBERGER MICHAEL WOLF ÜBERZEUGT DIE AMSTERDAMER FOODIES MIT SEINEN FRECHEN KREATIONEN, GERNE AUCH MIT SEINEM ÖSTERREICHISCHEN SCHMÄH. MIT GROSSEM ERFOLG.

"Guat drauf musst sein." Auch wenn das Lebensmotto des gebürtigen Vorarlbergers Michael Wolf relativ kurz ist, passt es zum kulinarischen Wirbelwind doch wie die Faust aufs Auge. Ein Mann wie der Bregenzerwald: natürlich, echt und traditionell. Kombiniert mit überraschend modernen Anklängen. Und das Wichtigste: Er ist tatsächlich immer gut drauf, hat es aber auch echt drauf. Und faustdick hinter den Ohren. Das stellte schon eine begeisterte Jury bei seinem Sieg des JUNGE WILDE Finales im Jahr 2009 fest.

"Ein hohes Maß an Kreativität. Dieser Bursche wird es noch weit bringen", zollten ihm damals die prominenten Kollegen Respekt. Und recht sollten sie haben. Zielstrebig ist Wolf und in gleichem Maße unbeschwert. Dieses Unverkrampfte findet sich auch in seinen Gerichten wieder. Schon seine JUNGE WILDE-Finalgerichte waren äußerst locker, aber präzise. Mit Kreationen wie "In Holzkohleöl gegarter Zander mit Passionsfrucht und Rotwein" oder "Dreierlei vom Kalb mit Fenchelsamen und Kartoffel- Kalbszungen-Espuma" hatte es die Jury mit ihrer Entscheidung nicht sonderlich schwer. Beachtlich auch die Stationen, die der hoch motivierte Herdzauberer schon damals auf seinem noch relativ jungen Buckel hatte: In Österreich lernte er im Romantikhotel Hirschen, dann folgten das Restaurant Bareiss (Deutschland, 3 Sterne), das Hotel Vila Joya (Portugal, 2 Sterne), Hotel Trofana Royal (Österreich, damals 1 Stern), Hotel Passo Monte Croce (Italien, 14 Gault-Millau-Punkte), Restaurant La Vida (Spanien), Restaurant Le Cirque (Holland, 1 Stern), das Restaurant Harry's Time (Österreich, 14 Gault- Millau-Punkte) und das Orangerie Hotel Palm Beach in Maspalomas (Gran Canaria). Nach seinem Sieg dann die wohl aufregendste Station beim holländischen Kulinarik-Weltstar Sergio Herman im Oud Sluis (20 Gault-Millau-Punkte, 3 Michelin-Sterne), wo er zuletzt als Sous Chef arbeitete.

Auf Vermittlung seines Mentors Herman startete er 2010 im Envy in Amsterdam als Küchenchef, wo er seither jährlich mit 14 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet wird. Klare Linien auf dem Teller und gewagt die Kombinationen: Das ist die Philosophie des lebensfrohen Kochtalents. Schon als Kind hatte er nur das Kochen im Sinn. "Damals waren die Gerichte jedoch noch nicht so ausgereift, da mussten meine Eltern Soletti mit Ketchup verkosten", erinnert er sich zurück. So perfekt er den Geschmack inszeniert, so locker ist Wolf privat.