LAUT BRÜLLEN, ABER NUR HEISSEN DAMPF ABLASSEN? NE, NE, DAS IST NICHTS FÜR DEN JUNGEN WILDEN 2013. DER IST VON DER LEISEN SORTE, LÄSST ABER SEINE GERICHTE FÜR SICH SPRECHEN. UND DIE HABEN VERDAMMT GROSSES ECHO.

Wer mit 24 Jahren eine dermaßen große Professionalität und diesen offensichtlichen Überblick mit an den Herd bringt, der muss entweder Nervena aus Stahl haben, unerschütterliches Selbstbewusstsein oder durch eine gute Schule gegangen sein. Denn in diesem zarten Alter gewann Marvin Böhm den Titel JUNGER WILDER 2013 und strahlte dabei eine fast schon unheimliche Ruhe aus.

Woran es im Endeffekt gelegen hat, ist wohl eine Mischung aus alldem. Punkt drei ist sogar mehrfach zu belegen: Nach seiner fundierten Ausbildung in der Brackstedter Mühle, einem gutbürgerlichen Haus, war die erste Station auf der Liste die Traube Tonbach und Harald Wohlfahrt. Und von da volley - und das ohne Beschreibung, sondern rein durch Mundpropaganda - ins ebenso Michelin-höchstbesternte Aqua im The Ritz-Carlton Hotel in Wolfsburg zu Sven Elverfeld.

Auf seinem Weg durch die viel beachteten Küchen der Nation fokussierte er sich immer mehr auf Klarheit und Geschmack. Optische Verrücktheiten, wie zu Beginn seiner Koch-Laufbahn, hat Marvin hinter sich gelassen. Optische Feinheiten allerdings lässt er sich nicht nehmen. Wie der von ihm selbst designte Aufdruck der Alu-Dose für sein Gewinner-Dessert. Diese war gefüllt mit Mangosauce und somit nicht nur von außen ein echter Leckerbissen. Das ist Teil seiner bereits jetzt erkennbaren Handschrift, die ihm von der fi nalen Star-Jury bereits klar attestiert wurde. Was bei Marvin auffällt, ist die von ihm scheinbar so leicht aus dem Kochjackerl geschüttelte Mischung aus Handwerk und Kreativität.

Er optimiert und tüftelt an Techniken, die ihm entweder nicht ausgereift genug vorkommen oder von denen er überzeugt ist, dass das schneller auch gehen müsste. Stellt seine eigenen Silikon-Formen her, damit seine Gerichte nicht nur geschmacklich, sondern auch optisch rund sind. Und bleibt bei all den verbalen Rosen, die ihm von Branchengrößen wie Helmut Österreicher und Stefan Marquard gestreut werden, immer auf dem Boden der Tatsachen.

Talent ist gut, aber harte Arbeit macht den Unterschied. Wer nur kreativ denkt und dabei keine Organisation hat, spielt irgendwann auch auf verlorenem Posten. Die stellt sich bei Marvin zwar auch erst nach dem kreativen und chaotischen Brainstorming ein, aber dann knallt's eben richtig auf den Geschmacksknospen. Und dazu muss man nicht laut Rambazamba rufen, sondern es wie Marvin machen: schweigen und die anderen genießen lassen.