DIE EIERLEGENDE WOLLMILCHSAU GIBT ES NICHT, MARCO D'ANDREA IST ALLERDINGS VERDAMMT KNAPP DRAN. DENN WELCHER PÂTISSIER KANN SCHON VON SICH BEHAUPTEN, NICHT NUR FÜR KALORIENBOMBEN EIN GOLDENES HÄNDCHEN ZU HABEN.

Es soll ja in der Geschichte der JUNGEN WILDEN schon mal vorgekommen sein, dass in einem Finale eine Kuh auf dem Teller für Begeisterungsstürme unter den urteilenden Zweibeinern sorgte. Dass Marco D'Andrea 2012 dieses Meisterstück ebenfalls gelang, ist demnach eigentlich nicht weiter erwähnenswert - wäre da nicht die Tatsache, dass der Mann sich als Chef-Pâtissier des Gourmetrestaurants Seven Seas normalerweise den Schokoladenseiten der Küche widmet. Mit seinem fulminanten Auftritt beim Finale in Hamburg hat der Halbitaliener eindrucksvoll seine Allrounder- Qualitäten unter Beweis gestellt. Dass er über selbige verfügt, daran hat er nie gezweifelt: "Wenn man ehrgeizig an seinen Zielen arbeitet und das, was man tut, wirklich liebt, dann ist keine Latte zu hoch."

Die Voraussetzungen für eine steile Karriere wurden Marco in die Wiege gelegt. Seinen italienischen Vater, einen Obst- und Gemüsehändler, begleitete er von Kindesbeinen an auf den Markt, mit 14 Jahren hängte er so manchen Jungkoch in puncto Warenkunde um Längen ab. Auch als die Familie ein Restaurant pachtete, brachte er von Anfang an ungeniert seine Ideen ein. "Das Feuer und das Mundwerk habe ich von Papa, die Disziplin und den Perfektionismus von Mama. Eine super Kombi." Mit dieser Mischung im Blut wurde er 2009 ROOKIE OF THE YEAR und landete bei Joachim Wissler im Restaurant Vendôme, wo Andreas Vorbusch ihn in die Geheimnisse der süßen Verführung einweihte. Als Christoph Rüffer aus dem Hotel Vier Jahreszeiten bei ihm anklopfte, hätte es keinen Grund gegeben, lange zu überlegen. Aber es wäre nicht Marco D'Andrea, wenn er nicht wieder mal für eine Überraschung gesorgt hätte. Statt zu Rüffer kehrte er nämlich zurück auf den Süllberg und zu Karlheinz Hauser, bei dem er bereits in der Lehre war. "Ich schätze ihn als Menschen und Chef sehr. Und hier kann ich meine Ideen einbringen und mutig sein, was mir enorm wichtig ist", erklärt er seine Entscheidung.

Mut und Ideenreichtum zeichnen seinen Kochstil unzweifelhaft aus. Auf den ersten Blick ungewöhnliche Komponenten vereint er konsequent zu spannenden, harmonischen Gesamtkunstwerken. Und stilbewusst, wie er nun mal ist, spielt bei ihm auch die Optik auf dem Teller eine tragende Rolle: "Am Anfang haben mich alle ein bisschen schief angesehen, weil ich immer Punkte und Striche am Teller gemacht habe. Mittlerweile ist das fast schon ein Markenzeichen." Es gibt wohl nur wenige, die das in so jungen Jahren bereits von sich behaupten können.